Claudia am 28.01.2019

Ladies, Wine & Design Hamburg #10: "New Tech" Meet-Up in unserer Werkhalle


"Ladies, Wine & Design" wurde von Jessica Walsh gegründet, um den Austausch unter den Frauen in der Kreativbranche zu fördern. Jessica - Creative Director und Partner bei Sagmeister & Walsh in New York – hat sich viel mit erfolgreichen Frauen auseinandergesetzt (sie ist selber eine) und sah sich oftmals mit mehr oder weniger sexistischen Vorwürfen konfrontiert. Sie musste lesen, dass sie „nur so erfolgreich ist, weil sie mit ihrem Business Partner geschlafen hat“ oder nur so weit gekommen sei, „weil sie jung und hübsch ist“. Bullshit: Dass ganz offensichtlich viel Talent und harte Arbeit hinter ihrem Erfolg stecken, wird dabei völlig außer Acht gelassen. Sexismus in der Kreativbranche (sogar unter Frauen) kommt leider nicht selten vor. In Zeiten von #metoo ist es deswegen umso wichtiger, dies auch anzusprechen und vor allem gemeinsam darüber zu sprechen.

Schauen wir uns die Zahl der Frauen in der Position eines (Creative) Directors an: Statistisch gesehen sitzen gerade mal 3% auf den kreativen Chefsesseln, 5% der Frauen haben die Position eines CEO inne. LW&D möchte dies durch Gespräche und kreative Meet-ups ändern und bestehendes Konkurrenzdenken in gegenseitigen Support umwandeln. Mittlerweile gibt es die Initiative an mehr als 200 Standorten, Hamburg ist einer davon. Unter der Leitung von Anissa und Karolin finden seit einem Jahr Events zu den verschiedensten Themen statt. Wir hatten - unserer Hannah sei Dank - die Ehre, Ausgabe #10 in unserer Hamburger Werkhalle auszurichten. An ihrer Seite drei weitere Powerfrauen, die ihre Erfahrungen als Frau in der Tech- und Werbebranche mit round about 40 (weiblichen) Gästen geteilt und diskutiert haben. Kleine Randnotiz: Die Karten für das Event waren übrigens innerhalb einer Minute ausverkauft, die Warteliste war lang.

Das Panel

Der Abend startete mit einer Podiumsdiskussion zwischen Liane, Creative Strategy/DACH Lead bei Snapchat (seit wenigen Monaten Mutter, hatte kurz vergessen, dass sie verheiratet ist), Toni, Lead Designer bei myTaxi (eigentlich Antonia, denkt aber immer, sie habe etwas falsch gemacht, sobald sie mit ihrem vollen Namen angesprochen wird), Nora, Designer bei IBM iX (ganz frisch in Hamburg), und nicht zu vergessen unsere Hannah, Experience Director bei Demodern und Host des Panels (seit sechs Monaten bei uns an Bord). Allen vier gemein ist eine mehr oder weniger lange Vergangenheit in der Werbe- und Digitalindustrie, sie haben ganz eigene Erfahrungen mit Sexismus, Diversity und Erfolg oder auch Erfolgsdruck im Job gemacht. Seien es nun sexistisch anmutende Tweets, die wieder gelöscht wurden, Diversity Fortbildungen, die jeder Angestellte mitmachen muss oder „sich dem System unterordnen“ müssen – frei nach dem Motto: „wenn ich das Spiel mitspiele, passiert mir auch nichts. Ist aber schon besser, wenn du keinen Lippenstift oder kurze Röcke trägst, Süße…“ 

Doch es tut sich einiges - vor allem abseits der klassischen Werbeagenturen erkennt man bereits starke Strukturänderungen: die Hierarchien werden flacher, man arbeitet viel mehr auf Augenhöhe und selbstverantwortlich und versucht seinen sowohl weiblichen als auch männlichen Arbeitnehmern das Arbeiten so angenehm wie möglich zu machen. Homeoffice und Gleitzeit sind kein Problem, CEOs lassen den Teams und Angestellten größtenteils freie Hand, Frauen UND Männer mit Kindern werden problemlos integriert bzw. nach der Elternzeit wieder integriert und Gleitzeit ist kein Problem - Hauptsache dabei ist natürlich, man erledigt seine Arbeit angemessen und überzeugend. Aber das sollte bei so viel Vertrauensvorschuss ja eigentlich auch gewährleistet sein. 

Questions & Answers

In der Fragerunde ging es dann um ganz eigene Erfahrungen mit Sexismus (sowohl im Publikum als auch unter den vier Panel-Teilnehmerinnen) und wie in den Unternehmen und Agenturen damit umgegangen wird. Worin sich alle einig sind: Eine gesunde Mischung aus Männern UND Frauen ist wichtig – die Zusammenarbeit sollte grundsätzlich auf Augenhöhe, voller gegenseitigem Respekt und ehrlich sein. Das übergeordnete Thema hieß "New Tech" und wurde natürlich nicht außer Acht gelassen: Von daher wurden über mehr oder weniger zukünftige Technologien wie Künstliche Intelligenz, Blockchain, Smart Cities, wie die bereits existierende Stadt Songdo in Südkorea, diskutiert und ein Ausblick gegeben, was uns in Zukunft erwarten wird. 

Testing

Apropos New Tech: Auch unsere Devices und Installationen wurden entsprechend gewürdigt. Kaum von Hannah angesagt, waren unsere Besucherinnen nicht mehr zu halten und probierten unsere Gadgets aus. Das Ganze war ein absoluter Selbstläufer und so wurde in VR geschaukelt, die IKEA Wohnung – ebenfalls in Virtual Reality - eingerichtet oder der neue Smart konfiguriert. (und nein, Rosa war dabei nicht die Farbe des abends…) #metoo

Highlight war unsere interaktive Kinect Installation für Lufthansa – Gymnastikübungen mit Jerome Boateng und Thomas Müller waren DAS Ding. Ganz ohne Männer ging es dann also doch nicht. #metoo (again)

Wie wir den Abend fanden...

...fragt ihr euch? Es war um ehrlich zu sein ganz einfach ein Abend in entspannter und lockerer Atmosphäre mit sehr guten, inspirierenden Gesprächen, leckerem Wein und selbst gemachtem Hummus. Keine Spur von Konkurrenz oder Ellenbogenmentalität. Ob das etwas damit zu tun hatte, dass keine Männer anwesend waren und Profiliergehabe deswegen nicht vorhanden war? Das wissen wir nicht – im Endeffekt sollte das Geschlecht ja ganz egal sein. Das Wichtigste ist ein entspannter, ehrlicher, transparenter und vor allem fairer Umgang miteinander - gute Arbeit steht dann eh für sich selbst.