Claudia am 05.06.2018

OFFF 2018 - Let’s Feed The Future und/oder unsere Geduld in Warteschlangen


Für uns bei Demodern war und ist es von jeher wichtig, dass wir unseren Kreativen und Geeks die bestmöglichen Weiterbildungschancen bieten und deswegen sind bei uns Besuche verschiedenster Konferenzen und Kongresse Bestandteil unserer Arbeitskultur. So auch die OFFF in Barcelona. 2018 sind deswegen 11 von uns nach Spanien aufgebrochen, um sich inspirieren zu lassen und die mediterrane Atmosphäre der Stadt zu genießen. Und die genießt man am besten auf dem Rooftop eines Hotels mit Pool und bester Aussicht auf die Sagrada Familia und den Torre Glòries - das riesige Phallussymbol, das das Stadtbild Barcelonas mitprägt...

In Warteschlangen ausharren, das können wir jetzt…

Kommen wir nun zum Grund unserer Reise: Dem OFFF Festival 2018! Zusammengefasst könnte man sagen, dass wir mindestens die Hälfte der Zeit damit verbracht haben, in Warteschlangen auszuharren. Üben in Geduld könnte man es auch nennen. Angefangen bei der Abholung des Bändchens über die Schlange vorm Open Room (auch Zelt genannt) und der Main Stage (Roots) bis hin zu den Schlangen vor den Foodtrucks oder Klos - organisatorisch war da leider Gottes ziemlich der Wurm drin. 

Jetzt könnte man natürlich sagen: The Germans, always complaining, aber, dass wir den ein oder anderen Talk aufgrund zu vieler Menschen in Warteschlangen verpassen mussten, war dann doch nicht soooo super geil. Kleiner Trost: Zur Roots Stage gab es eine Live-Übertragung vor das Museu del Disseny de Barcelona. Dabei konnte man zumindest essen und trinken, was in den Räumen der Konferenz leider nicht erlaubt war. Bei Hunger musste man raus und konnte nur darauf hoffen, nicht bei Einlass-Stopp wieder in der Schlange warten zu müssen… So viel zu den negativen Seiten der Konferenz, kommen wir nun aber zu den positiven: Den Talks!

Let’s Talk with Oily Furry Fingers…

Unter dem Namen “Oily Furry Fingers Festival” (O.F.F.F.) konnte man sich in diesem Jahr die Talks auf der Roots Stage anschauen - im Open Room lief das ganze unter dem Namen “Optimistic Freckled Friends Festival” (O.F.F.F.). Wir hätten es aber grundsätzlich eher "Only For Forbearing Friends" (O.F.F.F.) genannt...

Die Speaker - LET’S TALK ABOUT DESIGN

Die OFFF 2018 konnte sich mit Namen echt guter Speaker schmücken. Neben den üblichen Verkaufsveranstaltungen von Adobe (ganz offensichtlich Hauptsponsor der Konferenz), Facebook oder Dropbox, standen namhafte Designer, Illustratoren, Motion Designer, Kreativ(e) Direktoren, Animationsgenies etc. auf der Bühne.

Tom Muller, Digital Designer und Creative Director bei helloMuller, hat sich in seiner Keynote mit dem Thema “Designing Fiction” befasst hat und uns z.B. ein paar Einblicke in die Entstehung des Covers für die Suicide Squad Comics gegeben hat.

Jeff Boddy, Head of Design und Creative Director bei The Mill Chicago, hat uns ein paar Einblicke in das daily Business der Agentur mit den mega Projekten gegeben und sich in seiner Keynote darauf konzentriert, wie man trotz wenig Geld und Zeit, Gutes produzieren kann. Dabei ging es ihm weniger darum, die Top Projekte der Agentur zu zeigen, mehr, wie wichtig es ist, ein Team bestehend aus Generalisten und Spezialisten zu haben, um dieses Ziel zu erreichen. Den Werbespot "Family Greatly" für KRAFT haben sie z.B. innerhalb eines Tages auf die Bildschirme der Superball-Zuschauer gebracht. 

Den Ansatz von Boddy kannte man mit langjähriger Agenturerfahrung zwar schon, aber trotzdem schön, so etwas von einem erfahrenen Kreativen aus einer Top-Agentur zu hören. Letztendlich sitzen wir dann doch alle in einem Boot.

Chris Bjerre - das Multi-Talent aus San Francisco wollte schon als Kind nur Roboter zeichnen und hat uns mit seiner Arbeit für “Ghost In The Shell” und *Bladerunner echt umgehauen. Chris wird übrigens den Main Title für die OFFF 2019 kreieren.

*Anmerkung der Redaktion: Leider hat es keine seiner Sequenzen dann tatsächlich in den Film geschafft (schade eigentlich)

Im Zelt haben wir uns dann die Jungs von Animade angesehen. Nach einem Videoflug durch ihr Office in London, haben sie uns mit witzigen Animationsfilmen für verschiedene Brands bespaßt.

Gutes Sitzfleisch und zwei Stunden Geduld brauchte man beim 2-stündigen Talk von Gavin Strange und James White, besser bekannt als Signal Noise. Leider hatte man beide Keynotes (auf der OFFF zu einer zusammengefasst) bereits gesehen und die Länge hat sie dann leider nicht unbedingt besser gemacht. Aber dafür kam James am nächsten Tag zur Autogrammstunde vorbei, um ein Wall-E Plakat zu signieren. 

Pokras Lampas aus Russland hat zwar mit seiner Arbeit überzeugt, aber leider war der Talk ziemlich unemotional. So fiel es schwer war, ihm zu folgen. Abends bei der After Show Party wurde er übrigens am Eingang gesichtet (sagt man...)

PressTube haben uns mit einer süßen Commercial für Mr Sub beglückt, die Editorial Designerin und Künstlerin Malika Favre aus London (ursprünglich aber Französin) hat uns mit ihren wunderschön illustrierten Covern für The New Yorker undVanity Fair begeistert und Giantstep haben gezeigt, wie der Maintitle für die OFFF 2018 entstanden ist. Nice!

Wenn Der (Sag)Meister spricht

Und dann kam ER! Der, auf den wohl alle gewartet haben (der Saal war zumindest super voll und die Schlange der draußen Wartenden übermäßig lang): Stefan Sagmeister von Sagmeister & Walsh aus New York! Der Österreicher mit dem ulkigen Akzent war großartig (finden wir jedenfalls). Er hat uns Tipps zum glücklicher werden gegeben und Insights zum Making-Off seines Films “The Happy Film” mit uns geteilt. 

Und das auf eine so selbstironische, lustige, aber auch sehr emotionale Art und Weise, man konnte tatsächlich ein bisschen mitfühlen: Seine Trauer, als einer seiner besten Freunde während der Entstehung des Films starb, hat mir persönlich tatsächlich die Tränen in die Augen getrieben. Als er sich unter Einfluss von Psychopharmaka unsterblich verliebte und das Mädel nach 2 Tagen direkt heiraten wollte, war man einerseits verblüfft, aber musste vor Fremdscham auch fast wegschauen. 

Von himmelhochjauchzend bis zu Tode betrübt - er hat das Spiel mit den Emotionen perfektioniert. Und um am Ende all die von anstrengenden Kunden (und eventuell vom vielen Alkohol) geplagten OFFF Besucher ein wenig “happier” zu machen, wurde gemeinsam gesungen! Zu Beethovens “Ode an die Freude” gab’s den mittlerweile vermutlich zum Welthit gewordenen Song “All My Clients Drive Me Crazy Never Show No Guts At All”... Danke, Stefan Sagmeister - das war groß!

Fazit - Alles doch gar nicht so doof

Und deswegen: Trotz all der Warterei, der verpassten Talks: wir würden wieder hinfahren, um uns nächstes Jahr David Carson's Talk und Chris Bjerre’s Maintitle in Barcelona anzuschauen und nebenbei ein wenig mit den Kollegen Quality Time vor Ort zu verbringen - denn das muss neben all der Fortbildung doch auch mal sein.

Cheers und bis bald, eure Demoderns!