Jill am 28.09.2016

Opium für Serienjunkies


„Winter is coming… “ leider erst 2017! Erst vor wenigen Monaten entließ uns "Game of Thrones" mit einem krassen Serienfinale, "House of Cards" lieferte ebenfalls erst kürzlich ab und auch "The Walking Dead" lässt erst im Laufe nächsten Monats die Gruppe um Rick Grimes wieder durch die Zombie-Hölle gehen – sehr langsam, Folge für Folge. Was bleibt uns Serienjunkies zum durchsuchten bis dahin übrig?

Jede Menge! Denn die Möglichkeiten des Binge-Watchings sind unbegrenzt. Für alle, die sich mal wieder in eine neue Serie verlieben möchten, Futter für die nächste Zeit brauchen oder noch nicht gesehene Klassiker nachholen möchten, habe ich fünf Tipps auf Lager, um eure Sucht nach coolen Stories und starken Charakteren zu befriedigen. Let’s watch!


Californication

Dealer: Amazon Prime, Netflix
Genre: Comedy, Drama
Sender: Showtime
Staffeln: 7
Laufzeit: 20-30 Min.

Für Freunde von ... Booobs, Gesellschaftskritik, bissigen Dialogen, Rock n' Roll und sympathischen Anti-Helden.

Man möchte meinen, dass bereits jeder diese Serien-Perle gesehen hat. Falsch! An Einigen ist dieses Highlight tatsächlich vorbei gegangen. Diejenigen, die sich jetzt angesprochen fühlen, sollten daher gut aufpassen: 
Hank Moody (genial sich selbst gespielt: David Duchovny) hat es nicht leicht: Der provokante Autor hat eine Schreibblockade und seine große Liebe Karen (bezaubernd: Natascha Mc Elhorn) baut sich mit der gemeinsamen Tochter Becca ein neues, geregeltes Leben mit ihrem neuen Partner Partner Bill auf. Den Frauen und Drogen verfallen, schlägt sich der liebenswerte Zyniker durch den Sog des oberflächlichen Kaliforniens und gerät bei dem Versuch seine Karen zurückzugewinnen in ein Desaster nach dem anderen. Die Situation spitzt sich zu, als Hank Moody unwissend die siebzehnjährige Tochter von Karens Freund Bill verführt.

Fazit:

Sieben Staffeln dürfen wir das Leben von Hank Moody verfolgen. Böse Zungen behaupten, der Plot würde sich ab einem gewissen Punkt ständig wiederholen. Wir meinen: Die Serie lebt nicht von ihrer originellen Handlung sondern von zitterwürdigen Dialogen, sau-coolen Figuren und davon, dass sie den menschlichen Makel mit einer komödiantischen Leichtigkeit behandelt.


Wayward Pines

Dealer: Amazon Prime
Genre: Mysterie, Crime, Science Fiction
Sender: FOX
Staffeln: 2 (unabgeschlossen)
Laufzeit: 45-50 Min.

Für Freunde von ... Verschwörungstheorien, Twin Peaks, Albtraum-Szenarien und Brainfuck.

Auf der Suche nach einem vermissten Kollegen, gerät Detective Ethan (Matt Dillon mal anders) in einen Autounfall und findet sich im verschlafenen Dörfchen Wayward Pines wieder. Schnell wird ihm klar, dass es hier nicht mit rechten Dingen zugeht. Jeder weitere Satz meinerseits wäre hier fast schon gespoilert. Einen möchte ich euch trotzdem nicht vorenthalten: "Es gibt keine Grillen in Wayward Pines."

Fazit:

Wer Lost und Twin Peaks mochte, der wird bei Wayward Pines auf seine Kosten kommen. Halb Mystery, halb Science-Fiction und etwas Film noir machen diese Serie absolut sehenswert. Der Cast ist überzeugend, die Atmosphäre sehr dicht und bedrohlich. Obwohl sich das Geheimnis um das merkwürdige Städtchen Wayward Pines im Verlauf der Handlung auflöst, wird die Spannung stets aufrecht erhalten. 


You’re the Worst

Dealer: Maxdome, Lastwagen, alternativ iTunes 
Genre: Drama, Comedy 
Sender: FX-Network
Staffeln: 2 abgeschlossen (3 läuft ab dem 31. Oktober 2016)
Laufzeit: 20-30 Min.

Für Freunde von ... Beleidigungen, Inkonsequenz, Lastern aller Art, Schadenfreude und schlagfertigen Dialogen.

Zwei beziehungsunfähige Menschen lassen sich aufeinander ein. Das Ergebnis: Nichts als Chaos! Gretchen, eine smarte, chaotische PR-Managerin und Jimmy, ein zynischer, erfolgloser Schriftsteller, landen nach der Hochzeit einer gemeinsamen Bekannten im Bett. Geplant war eigentlich ein One-Night-Stand, doch wird daraus schnell eine Affäre mit Substanz. Beide saufen, rauchen, haben so gut wie keine Sozialkompetenz, glauben nicht an die Liebe und haben nicht den geringsten Schimmer, wie man eine Beziehung führt. 

Fazit:

Eins sei gesagt: Es handelt sich nicht um eine romantische Liebesgeschichte mit "Trallafitti" sondern um eine rotzfreche, kompromisslose Anti-Love-Story mit genauso derben und verkorksten Protagonisten. Wer sein Weltbild von der "Schatz hier und da"-Liebe aufrecht erhalten möchte, sollte sich diesen Geheimtipp nicht anschauen. Eine Ode an die nicht-Liebe und die moralischen Grauzonen. 


American Horror Story

Dealer: Netflix (leider erst bis Staffel 4), alternativ iTunes  
Genre: Horror 
Sender: FX
Staffeln: 5 abgeschlossen (6 läuft ab dem 14. September 2016)
Laufzeit: 45-50 Min.

Für Freunde von ...  Gänsehaut, Blut, spooky Kindern, psycho Clowns, Voodoo Hexen, dunklen Kellern, gewalttätigen Nonnen und heißen Dienstmädchen. 

Für einige immer noch neu (kaum zu glauben), für andere zu gruselig (come on ...)! Bei der Serie American Horror Story ziehen wir in Staffel 1 in ein Horror-Haus, in Staffel 2 in eine psychiatrische, von Nonnen geführte Anstalt der 60er, in Staffel 3 in einen Hexenzirkel, in Staffel 4 in eine Freak-Show der 50er und in Staffel 5 in ein mörderisches Hotel. Richtig! Bei der Serie handelt es sich um eine sogenannte Anthalogieserie. Jede Staffel behandelt ein anderes Thema, eine andere Story und andere Charaktere, jedoch meist mit dem gleichen Cast. Obwohl Ryan Murphy, der Kopf hinter dem Ganzen, versichert hat, dass alles miteinander verbunden ist. #spannend!
In Staffel eins bis vier brilliert Hollywood-Größe Jessica Lang in der Hauptrolle, ab Staffel fünf durfte dann Lady Gaga als roter Pfaden glänzen und wurde für ihre Darbietung direkt mit einem Golden Globe belohnt. Aber auch andere namhafte Schauspieler geben sich hier die Klinke in die Hand. Unter anderem Kathy Bates, Angela Bassett, Zachery Quinto, Chloe Savigny.

Fazit:
Die Stories der Staffeln sind meist simpel und spielen mit typischen Horror-Klischees. Keine Plot-Twists, keine großen Überraschungen. Davon lebt die Serie auch nicht. Die Serie lebt von der skurrilen Atmosphäre, den unheimlichen Gestalten, der kreativen Umsetzung, dem grandiosen Soundtrack, passend zu jeder Staffel, und an manchen Stellen von historischen Bezügen. So wird auf bekannte Serienmörder und unerklärliche Fälle im Verlauf der amerikanischen Geschichte angespielt. Für jeden Horror-Fan ein MUST-SEE!


The Affair

Dealer: Amazon Prime
Genre: Drama  
Sender: Showtime
Staffeln: 2 abgeschlossen (3 läuft ab dem 20. Oktober 2016) 
Laufzeit: 45-50 Min.

Für Freunde von ...  moralischen Grauzonen, Psychografie, Spannung ohne KABOOM, Dramaturgie, Perspektivenwechsel, geilen Bildern und Crime.

Schon klar was ihr jetzt denkt. Der Titel lässt es schließlich vermuten: Schnulzig. Women only. Falsch! 

In „The Affair“ lernt der verheiratete Noah (so manch einer kennt Dominic West aus der Kultserie „The Wire“) die ebenfalls verheiratete Alison bei einem Familienurlaub in Montoc kennen. Das Besondere: Jede Folge wird gesplittet, das bedeutet die Story wird erst aus der Sicht von Noah und dann aus der Sicht von Alison erzählt. Je nachdem ändern sich Dialoge, Geschehnisse und sogar die Kleidung. Aus Noahs Sicht hat Alison den ersten Schritt getan und umgekehrt. Die beiden stürzen sich in eine Affäre, die der Auslöser eines tragischen Todesfall wird und das Leben aller Beteiligten ins Wanken bringt. Um wen es sich dabei jedoch genau handelt, erfahren wir erst sehr viel später.

Fazit:

Auch wenn die Story alt bekannt ist, ist das Format neu. Die Charaktere sind mit Tiefe und Realismus gezeichnet und so komplex real, dass jeder sich mit dem ein oder anderen Moment identifizieren kann. Im Mittelpunkt stehen zwischenmenschliche Grauzonen, keiner ist gut oder böse. Die Wahrheit liegt - wie es so schön heißt - irgendwo dazwischen. Die Atmosphäre schwankt immer wieder von optimistisch zu düster und legt eine subtile Härte an den Tag. Definitiv eine Serie für Mann und Frau, doch keinesfalls zu empfehlen für hoffnungslose Romantiker, die ein klassisches Happy End brauchen.